Lahmheit erkennen beim Pferd: 9 Warnzeichen im Gangbild (und was du als Nächstes tun solltest)

Anna Schneider
Feb 06, 2026Von Anna Schneider

Lahmheit erkennen beim Pferd: 9 Warnzeichen im Gangbild (und was du als Nächstes tun solltest)

Dein Pferd läuft „irgendwie komisch“ – aber du bist dir nicht sicher, ob es wirklich lahmt? Genau das ist der häufigste Moment, in dem wertvolle Zeit verloren geht: Ein kleiner Taktfehler wird wegtrainiert, ein Problem wird „kompensiert“ – bis es irgendwann deutlich sichtbar wird.

In diesem Artikel zeige ich dir 9 typische Warnzeichen, mit denen du Lahmheit oder Gangbild-Auffälligkeiten besser erkennst – und einen klaren, sinnvollen Ablauf, was du danach tun solltest.

Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Er hilft dir, Auffälligkeiten besser zu erkennen und strukturiert zu handeln.


Warum Lahmheit oft zu spät erkannt wird

Viele Pferde sind Meister im Ausgleichen: Sie verändern minimal Takt, Schrittlänge oder Kopf-/Beckenbewegung – so subtil, dass man es im Alltag leicht übersieht. Dazu kommt:

Der Untergrund verändert das Gangbild (Halle vs. Asphalt vs. Wiese)
An der Longe sieht es anders aus als geradeaus
Die eigene Gewöhnung („Der läuft schon immer so“)
Kompensation: Das Pferd entlastet unauffällig und überlastet dafür andere Strukturen

Genau deshalb ist es so hilfreich, das Gangbild systematisch zu beurteilen – und nicht nur „nach Gefühl“.


9 Warnzeichen: So erkennst du Lahmheit oder einen Taktfehler im Gangbild

1) Unregelmäßiger Takt (besonders im Trab)

Ein echter Klassiker: Der Trab klingt nicht „2-taktig“ gleichmäßig, sondern leicht stolperig oder „hinkt“ auf einer Diagonalen.

Tipp: Hör dir den Trab bewusst an – manchmal ist es akustisch leichter als visuell.

2) Kürzere Schrittlänge auf einer Seite

Wenn ein Vorder- oder Hinterbein weniger vortritt oder schneller wieder am Boden ist, ist das oft ein Hinweis auf Schonung.

3) Kopf-/Halsbewegung im Trab („Nicken“)
Bei Vorderbeinlahmheit sieht man häufig: Kopf geht hoch, wenn das schmerzhafte Bein auffußt (Pferd entlastet), und runter beim gesunden Bein.

4) Becken kippt oder „hüpft“ (Hinterhand)

Bei Hinterbeinproblemen fällt oft das Becken auf: eine Seite steigt weniger an

die Kruppe wirkt „versetzt“
das Pferd „hüpft“ oder fällt auf eine Hinterhandseite


5) Auffällig auf dem Zirkel / an der Longe
Viele Probleme werden auf gebogener Linie deutlicher:
Das innere Bein wird stärker belastet

Das Pferd wechselt die Strategie (drückt raus, wird eilig, fällt rein)



6) Unterschied zwischen links und rechts (Biegung/Anlehnung)

Wenn dein Pferd auf einer Hand deutlich schwerer zu stellen ist, eine Schulter „wegschiebt“ oder sich nicht gleichmäßig anfühlt, kann das natürlich Schiefe sein – oder eine Kompensation.

Merke: Nicht jede Schiefe ist Lahmheit. Aber jede Lahmheit verändert die Schiefe.

7) Stolpern / Zehen schleifenWenn Zehen häufiger schleifen oder das Pferd „unaufmerksam stolpert“, kann das von Ermüdung kommen – oder ein Hinweis auf Schmerz, Koordination oder asymmetrische Belastung sein.



8) Taktfehler nur am Anfang – dann „läuft es sich ein“ Das ist besonders tückisch: Viele Pferde laufen nach ein paar Minuten „besser“, weil sie warm werden oder weil sie stärker kompensieren.

Wenn ein Taktfehler regelmäßig in den ersten Minuten auftaucht, lohnt sich ein genauer Blick.




9) Leistungseinbruch, Widerstand, plötzliches „Nicht-mehr-Wollen“
Manchmal ist das Gangbild nicht dramatisch – aber das Pferd zeigt:
Widersetzlichkeit bei Übergängen

Probleme beim Angaloppieren
untypische Reaktionen beim Putzen/Satteln
weniger Schub, weniger Tragkraft Schmerz sieht nicht immer aus wie „deutlich lahm“.


Der sinnvollste Ablauf: Was du tun solltest, wenn du etwas bemerkst

Schritt 1: Ruhig bleiben – aber strukturiert prüfen

Notiere dir:

Seit wann?

In welchem Gang?
Geradeaus oder Zirkel?
Auf welchem Boden?
Wird es nach Warm-Up besser oder schlechter?

Diese Infos helfen enorm.

Schritt 2: Ein gutes Video aufnehmen (das ist der größte Hebel!)

Ein Handyvideo kann mehr Klarheit bringen als 10 Vermutungen – wenn es richtig gefilmt ist.

So filmst du optimal:

fester, ebener Boden, gutes Licht
Pferd im Trab 5–10 Sekunden geradeaus
ideal: beide Seiten zusätzlich (links/rechts)
Querformat, ruhig, ganzer Körper im Bild
keine Filter, keine Schnitte, kein Zoom

Schritt 3: Objektiv auswerten lassen (Ganganalyse/Gangbildanalyse)

Wenn du unsicher bist, ob es „nur Schiefe“ oder bereits ein Problem ist, ist eine objektive Gangbildanalyse sinnvoll: Du bekommst eine klare Einschätzung von Asymmetrien und Auffälligkeiten – und vor allem: was du als Nächstes tun solltest.

Bei Pawsitive Motion läuft das (je nach Angebot) z. B. über Videoeinsendung und strukturierte Auswertung – als Orientierung und Trainingsgrundlage.

Schritt 4: Tierarzt einschalten, wenn…

Bitte zögere nicht, tierärztlich abzuklären, wenn:

die Lahmheit deutlich ist oder plötzlich kommt
es schlimmer wird
Schwellung/Wärme vorhanden ist
das Pferd Schmerzreaktionen zeigt
es nach kurzer Schonung nicht besser wird



Häufige Frage: „Kann man Taktfehler wegtrainieren?“

Manchmal kann gezieltes Training Kompensationsmuster verbessern – ja. Aber: Wenn die Ursache Schmerz oder Struktur ist, „wegtrainierst“ du häufig nur die Sichtbarkeit, nicht das Problem.

Deshalb ist der beste Weg:

erkenne die Auffälligkeit,
objektiviere sie (Video/Analyse),
kläre ab, wenn nötig (TA),
trainiere erst dann gezielt.



Fazit: Je früher du es erkennst, desto besser für dein Pferd

Lahmheit beginnt oft leise. Wer früh hinschaut, kann Überlastung und Folgeprobleme deutlich besser vermeiden.

Wenn du magst, nutze die Checkliste oben: Film ein kurzes Video, vergleiche links/rechts – und hol dir bei Unsicherheit eine objektive 



Wenn du wissen willst, ob dein Pferd wirklich unregelmäßig läuft und welche nächsten Schritte sinnvoll sind, kannst du bei Pawsitive Motion  ein Analyse-Video einreichen und eine strukturierte Auswertung bekommen.